Der Renn-Klub Frankfurt am Main unter der Präsidentschaft von Dr. Arthur von Weinberg zwischen den beiden Weltkriegen (1918 – 1938)

von Richard Sturm

Der Frankfurter Renn-Klub wurde im Herbst des Jahres 1896 gegründet. Der Rheinische Renn-Verein (Gründungsjahr 1863) und der Verein für Hindernis-Rennen (Gründungsjahr 1893) waren bis dahin gemeinsam für die Organisation, den Rennbetrieb und die baulichen Einrichtungen auf der Pferderennbahn verantwortlich. Beide Vereine schlossen sich 1896 zum Renn-Klub Frankfurt am Main zusammen. Stadtrat Albert von Metzler war der erste Präsident des Klubs.

Just in das Jahr 1896 fiel auch die Gründung des Gestüts Waldfried durch die Brüder Dr. Arthur Weinberg und Carl Weinberg. Die Erhebung der beiden Brüder in den Adelsstand erfolgte erst im Jahre 1908. Das Gestüt Waldfried lag in Nähe der Frankfurter Galopprennbahn in Niederrad, das im Jahre 1900 Stadtteil von Frankfurt wurde. Ohne Überstürzung baute sich aus Kleinem Großes auf. In diesem Gestüt gelangen großartige Zuchterfolge, die bald schon auf Deutschlands Rennbahnen für aufsehenerregende Erfolge des Waldfrieder Rennstalls sorgten.

Im Jahre 1918 verstarb der Präsident des Renn-Klubs, Stadtrat Albert von Metzler. Zum neuen Präsidenten des Renn-Klubs wurde Geheimrat Dr. Arthur von Weinberg ernannt. In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg veränderten sich die Verhältnisse des Renn-Klubs stark zu seinem Nachteil. Die allgemeine Wirtschaftslage verschlechterte sich von Jahr zu Jahr. Dessen ungeachtet gelang es dem Renn-Klub, ohne städtische finanzielle Unterstützungen zu bestehen, weil ihm von seinen nicht-arischen Mitgliedern die erforderlichen Zuwendungen gemacht wurden.

Das änderte sich mit den Nürnberger Gesetzen vom 15. September 1935.

Die nicht-arischen Mitglieder schieden aus dem Vorstand aus. Infolgedessen, da nun die erforderlichen Mittel nicht mehr aufgebracht werden konnten, beschloss der Renn-Klub in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 14. Dezember 1935 die Liquidation des Vereins. Dem Renn-Klub Frankfurt a. M. e. V. i. L. (in Liquidation) folgte im Jahr 1936 der eiligst von sogenannten Ariern gegründete Frankfurter Renn-Verein e. V. nach, der am 26. April 1936 zur Saisoneröffnung seinen ersten Renntag durchführte.

Dr. Arthur von Weinberg musste aufgrund der Nürnberger Gesetze alle seine beruflichen und ehrenamtlichen Funktionen aufgeben. Er zog sich nach der Pogromnacht am 9./10. November 1938 aus der Öffentlichkeit zurück. Unter beschämenden Bedingungen musste er Ende 1938 seinen Besitz Haus Buchenrode an die Stadt Frankfurt zwangsverkaufen. Im Juni 1942 wurde Arthur von Weinberg von der Gestapo verhaftet und in das KZ Theresienstadt gebracht. Dort starb der 82 Jahre alte Frankfurter nach einer Gallenblasenoperation am 20. März 1943.

«Dr. Arthur von Weinberg: Wissenschaftler, Unternehmer, Mäzen, Leidenschaft und Gönner für den Pferderennsport, NS-Opfer.«

Überraschend musste ich bei meinen Nachforschungen erfahren, dass die Klub-Bibliothek im Krieg ein Raub der Flammen wurde. Jedoch konnte ich in Archiven, Bibliotheken und Museen noch eine ganze Menge Informatives über die Zeit von 1918 bis 1938 zusammentragen. Besonders die Magistratsakten im Institut für Stadtgeschichte waren hier sehr ergiebig. Ich wusste bis dahin noch nicht, wie spannend und interessant es sein kann, in alten Akten zu lesen.

Meine ermittelten Ergebnisse werde ich in einer Präsentation einer an dem Thema interessierten Öffentlichkeit vorstellen.

Richard Sturm

Der Stadtteil-Historiker Richard Sturm ist Jahrgang 1950 und gelernter Groß- und Außenhandelskaufmann. In den 1970er-Jahren fügte er seiner Ausbildung noch ein sechssemestriges, berufsbegleitendes Studium an der Betriebswirtschaftsakademie in Wiesbaden mit dem Abschluss „Geprüfter Betriebswirt“ hinzu.

Beruflich war er ausschließlich mit Vertriebsaufgaben in der Büromöbelbranche beschäftigt. Im Jahre 2015 trat er in den Ruhestand.

Schon in jungen Jahren an der Historie seiner Geburtsstadt Frankfurt am Main interessiert, musste er sich bei der Bewerbung als Stadtteil-Historiker für ein ganz bestimmtes Thema entscheiden. Im „Dunstkreis“ der Pferderennbahn im Stadtteil Niederrad aufgewachsen, und angesichts der Tatsache, dass die mittlerweile 153 Jahre alte Rennbahn durch einen Beschluss der Stadtverordneten der geplanten DFB-Akademie weichen muss, war es ihm von besonderem Interesse, einen Zeitabschnitt zwischen den beiden Weltkriegen aufzuzeigen, in dem der Pferderennsport bei dem Frankfurter Bürgertum einen hohen Stellenwert hatte.

 

Quelle: Bürger, die Geschichte schreiben (Band III - November 2018)