Die Textorstraße – Geschichte und Geschichten

von Jens-Holger Jensen, Günter Appel und Georg Becker

Die Textorstraße unterscheidet sich für den ungeübten Betrachter vielleicht nicht sehr von anderen Straßen Sachsenhausens – und doch hat gerade die Textorstraße für den geschichtsinteressierten Bewohner außerordentlich viel zu bieten. Ihr kommt beispielsweise eine besondere Bedeutung hinsichtlich der Verkehrsentwicklung und der großen Anzahl denkmalgeschützter Häuser zu. Dieses Wissen der Autoren um die Textorstraße war entscheidend dafür, bei der Stiftung Polytechnische Gesellschaft eine Projektarbeit zur Geschichte und Entwicklung dieser Straße für die dritte Staffel des Förderprogramms „Stadtteil-Historiker“ einzureichen.

Die Textorstraße heute. Foto: Jens-Holger Jensen


Die Autoren glaubten vor dem Hintergrund jahrelanger Projektarbeiten im Rahmen des VHS-Kurses „Sachsenhausen näher betrachtet“ und nachfolgend als gleichnamige Autorengemeinschaft, abschätzen zu können, welche Arbeit mit der Erstellung einer Ausstellung und eines begleitenden Textes auf sie zukommen würde. Die Tatsache, dass die Autoren beinahe über die gesamte Projektarbeit keiner beruflichen Tätigkeit mehr nachgingen, führte aber zu einem tieferen Einstieg in die Materie als bei früheren Projekten.

Die zur Verfügung stehende Zeit wurde zunächst dafür verwendet, eine gründliche Auswertung der Frankfurter Adressbücher von 1902 bis 1975 vorzunehmen und anschließend ein umfassendes Aktenstudium im Frankfurter Institut für Stadtgeschichte zu betreiben. Der Erfahrungsaustausch mit anderen Stadtteil-Historikern förderte unerwartet spannende Erkenntnisse zutage, die das Projekt und die gemeinsame Arbeit sehr bereicherten und voranbrachten.

Ein wunderbares Beispiel dafür ist die Fluchtlinien- und Straßenplanung mit Vorschlägen zur Benennung der Straßen und ihrer Lage im Frankfurter Stadtgebiet. Manche Informationsbeschaffung glich einer kriminalpolizeilichen Ermittlungsarbeit mit Spurensicherung und Zeugenvernehmungen und war auch mindestens so spannend.

Der Medienpartnerschaft mit der Frankfurter Neuen Presse und der Berichterstattung anderer Frankfurter Tageszeitungen verdanken die Autoren wichtige zusätzliche Kontakte mit der Bevölkerung und daraus resultierende Erzählungen und Fotografien aus dem Geschäfts- und Privatleben in der Textorstraße und den benachbarten Straßen. Gespräche im privaten Bekannten- und Freundeskreis ergaben sehr hilfreiche Kontakte zu ehemaligen Bewohnern und Hauseigentümern weit über Frankfurt hinaus.

Neben einer Präsentation von Teilergebnissen im Wissenschaftsportal der Gerda Henkel Stiftung, L.I.S.A., wurden im April 2012 in einer umfassenden Ausstellung im Bibliothekszentrum Sachsenhausen die bis zu diesem Zeitpunkt zusammengetragenen Ergebnisse vorgestellt. Im Nachgang zur Ausstellung entstand ein Buch mit dem Titel: „Sachsenhausen näher betrachtet. Die Textorstraße, Geschichte und Geschichten“, das Ende November 2012 in den Buchhandel kam.

»Manche Informationsbeschaffung glich einer kriminalpolizeilichen Ermittlungsarbeit.«

Das Buch gliedert sich in drei Teile. Abschnitt 1 hat die geschichtliche Entwicklung der Straße von der Eisenbahntrasse über die Industrialisierung und die Kriegs- und Nachkriegsereignisse bis zu den aktuellen Veränderungen zum Inhalt. Im zweiten Teil steht das Leben in der Textorstraße im Zentrum, weshalb hier die zusammengetragenen großen und kleinen Geschichten aus dem privaten und geschäftlichen Leben erzählt werden. Eine Auflistung der in der Textorstraße tätigen Architekten und Baumeister, einige historische Zeitungsartikel und wichtige historische Dokumente machen den dritten Teil des Buches aus.

Jens-Holger Jensen

Jens-Holger Jensen, Jahrgang 1951, beschäftigt sich seit mehr als 30 Jahren mit der Geschichte Sachsenhausens, zunächst innerhalb eines VHS-Kurses und später in einer Autorengemeinschaft. Beruflich war er bei der Daimler AG im Management der Abteilung Forschung und Entwicklung tätig. Er wechselte 2011 mit dem Ende seiner aktiven Berufstätigkeit in einem gleitenden Übergang in sein neues Betätigungsfeld. Er setzt zurzeit die Arbeit zur Sachsenhäuser Geschichte fort.

Günter Appel

Günter Appel ist Sachsenhausen seit seiner frühesten Kindheit verbunden. Er hat als Zeitzeuge (Jahrgang 1924) sein Wissen in die ab April 2012 präsentierte Ausstellung und das spätere Buch eingebracht. Neben anderen hat er sich mit den Themen Verkehr und Industrialisierung beschäftigt. Günter Appel hat in früheren Jahren an anderen Ausstellungs- und Buchprojekten mitgewirkt.

Georg Becker

Georg Becker, auch in Sachsenhausen geboren, verbrachte seine Kinder- und Jugendzeit in Bornheim und im Nordend. 1964 zog er mit seiner Familie zurück nach Sachsenhausen. Seit 1997 beschäftigt er sich mit der Geschichte des Stadtteils. Er gehört ebenfalls der Autorengemeinschaft an, die bereits mehrere Ausstellungs- und Buchprojekte realisierte.

Quelle: Bürger, die Geschichte schreiben (Band II - Dezember 2014)