Friedrich Fauldrath – ein Maler aus Bonames

von Cornelia Picard

Friedrich Fauldrath war ein Lithograf und Maler, der aus einer alteingesessenen Bonameser Familie stammte und von seiner Geburt im Jahre 1886 bis zu seinem Tod im Jahre 1965 hier lebte. Fauldrath war auf autodidaktischem Weg zur Malerei gekommen und malte mit Vorliebe Landschaftsansichten unmittelbar in der freien Natur. Die Motive fand er vor allem in der Umgebung, an der Nidda und im Taunus, oder bei seinen jährlichen Reisen in den Alpen.

Friedrich Fauldrath, Spielende Kinder und eine Frau am Eschbach, Öl auf Leinwand.


Zwischen Friedrich Fauldrath und dem Maler Karl Luckhardt hatte sich seit der Lehrzeit eine innige Freundschaft entwickelt. Die beiden verband ihre Leidenschaft für die Malerei, und sie trafen sich öfter zu gemeinsamen Naturstudien. Fauldrath legte großen Wert darauf, dass seine Farben seiner empfindsamen Farbwahrnehmung entsprachen, und bevorzugte es daher, seine Farben selbst anzureiben. Beim Farbauftrag verwendete er außer Pinseln sehr biegsame, messerartige Malspachtel.

1932 bekam Friedrich Fauldrath im Rahmen eines Wettbewerbs der Stadt Frankfurt  den ersten Preis für sein Gemälde „Partie am Eschbach“ (Öl auf Pappe, 33,5 x 47,5 cm). Danach konnte er sich ganz der Malerei widmen und als freischaffender Künstler leben. Das preisgekrönte Bild befindet sich im Besitz des Historischen Museums Frankfurt.

Friedrich Fauldrath nahm keine Auftragsarbeiten der Nationalsozialisten an. Er lehnte – nach Aussagen von Verwandten und früheren Nachbarn – jede Form von Nationalismus und Militarismus aus tiefster Überzeugung ab, was er auch selbst in seinem gesetzlichen Meldebogen von 1946 bestätigte. Wenige Jahre nach Kriegsende gab Fauldrath das Malen ganz auf.

Zu Beginn meiner Recherche suchte ich beim Institut für Stadtgeschichte, bei Museen, Firmen, Bibliotheken, Kunsthandlungen, Auktionshäusern usw. nach Material über Friedrich Fauldrath. Dabei konnte ich Lebensdaten in Erfahrung bringen und Informationen über einige Bilder bekommen. Zu meinem Bedauern aber musste ich feststellen, dass es in den Archiven nur wenig Material über Leben und Werk gab.

Die Wende kam erst, als ich die Adresse des damals 86-jährigen Sohnes Kurt ausfindig machen konnte. Ich bat ihn um Unterstützung für mein Projekt. Zu meiner Freude meldete sich Kurt Fauldrath gleich telefonisch bei mir. Er war gern bereit, Fragen über seinen Vater zu beantworten, und vermittelte mir wertvolle Kontakte.

»Wir haben die vermutlich umfangreichste Werkschau des Malers Fauldrath zusammenbekommen, die bislang jemals gezeigt werden konnte.«

Kurz danach bekam ich eine Einladung von Frau und Herrn Stegemann. Bei meinem ersten Besuch überraschten sie mich mit einer Sammlung von wunderschönen Fauldrath-Gemälden. Bei den Begegnungen erzählten die Stegemanns mir ausführlich aus dem Leben des Malers. Sie zeigten mir die Malutensilien, die Kurt ihnen überlassen hatte, und machten mich auch auf den aus heutiger Sicht dokumentarischen Wert der Landschaftsgemälde aufmerksam.

Durch einen Zeitungsartikel in der Frankfurter Neuen Presse, durch Aushänge in Bonames und Hinweise aus dem Geschichtsverein bekam ich Kontakt zu weiteren Sammlern und zu Bonameser Bürgern, die mir weitere Informationen geben konnten.

Ich danke allen Gesprächspartnern, die mir ihre Erlebnisse und Erfahrungen mit Friedrich Fauldrath erzählten. Ich freue mich, dass etwa 60 Gemälde fotografiert werden konnten und nun als Fotoserie zur Verfügung stehen. Ich war beeindruckt von dem großen Zuspruch, den das Projekt in Bonames fand, und möchte nicht unerwähnt lassen, wie viele Bonameser Bürger ihre Freude darüber äußerten, dass „ihr“ Maler nun endlich bekannter wird.

Ich bin glücklich, dass die Präsentation im Stadtteil so viele Bürger anlockte, und bin allen unendlich dankbar, die zum Gelingen der Veranstaltung beitrugen. Insbesondere danke ich für die lebendigen Zeitzeugenberichte, die engagierten Redebeiträge und die großzügige Leihgabe zahlreicher Fauldrath-Gemälde aus Privatbesitz.

Als Ergebnis des Projekts liegen außer Diaschau und Fotosammlung ein Flyer mit Kurzinformationen und eine Broschüre mit ausführlichen Informationen und zahlreichen Abbildungen vor.

Cornelia Picard

Cornelia Picard ist in Nieder-Roden/ Rodgau aufgewachsen und lebt seit 1977 in Frankfurt am Main. Nach ihrer beruflichen Tätigkeit als Erzieherin zog sie im Jahr 2011 von Sachsenhausen nach Bonames. Dort fiel ihr die Friedrich-Fauldrath-Anlage an der U-Bahn-Station Bonames-Mitte auf. Der Name Friedrich Fauldrath war ihr bis dahin unbekannt, aber Interesse und Neugier waren geweckt. So bewarb sie sich mithilfe des Bonameser Heimat- und Geschichtsvereins bei der Stiftung Polytechnische Gesellschaft als Stadtteil-Historikerin, um über Friedrich Fauldrath zu forschen.

 

Quelle: Bürger, die Geschichte schreiben (Band II - Dezember 2014)