Die Regina Lichtspiele in Eckenheim

von Joachim Hoßbach

Ziel meiner Recherche sollte eine umfassende Geschichte der Regina Lichtspiele in Eckenheim in der Zeit von 1939 bis 1971 sein. Mich interessierte insbesondere die Entstehungsgeschichte des Kinos als Unterhaltungs- und Propagandakino während des Zweiten Weltkrieges und dessen Entwicklung nach Ende des Krieges.

Innenansicht des Kinos. Foto: privat


Unser damaliger Nachbar ist der Enkel einer der beiden Kinobetreiber, und von ihm erhoffte ich mir weitreichende Informationen. Leider stellte sich heraus, dass er keinerlei Unterlagen mehr besaß, alle waren im Zuge der Auflösung des Kinos und im Laufe der nachfolgenden Jahre verschwunden oder vernichtet worden. Der freundlichen Unterstützung des Eckenheimer Heimatvereines verdanke ich einige wertvolle Informationen und die Vermittlung wichtiger Zeitzeugen. Zum Glück konnte der jetzige Besitzer des ehemaligen Kinos zumindest Bilder und Baupläne des Kinos vor der Vernichtung retten. Informationen über die Frankfurter Kinogeschichte konnte ich im Filmmuseum recherchieren, zum damaligen Zeitpunkt lief gerade eine entsprechende Ausstellung, und es wurde ein umfangreicher Ausstellungskatalog erstellt. 

Aus der Geschichte von Kinos der benachbarten Stadtteile konnte ich zumindest einige historische Fakten generieren. Etliche Vormittage verbrachte ich im Institut für Stadtgeschichte. In alten Tageszeitungen konnte ich Hinweise über die Spielpläne des Kinos ausfindig machen. Eine große Hilfe waren die Zeitzeugen, insbesondere Johannes Hess, der sich noch sehr detailliert an seine Arbeit als Vorführgehilfe während des Zweiten Weltkrieges erinnern konnte. Auch Heinz Marx, der regelmäßig im gegenüberliegenden Vergnügungslokal Hommels Ei aufspielte, konnte sich noch sehr gut an das Kino und dessen Umgebung erinnern.

So konnte ich ein Stück Eckenheimer Stadtteilgeschichte auf der Basis der Erinnerung von Zeitzeugen wieder lebendig machen. Entstanden ist daraus weniger eine geschichtliche Abhandlung als vielmehr ein Zeugnis mündlicher Überlieferung eines Unternehmens, welches bis zum rasanten Einzug der Farbfernsehtechnologie in die Wohnzimmer sozialer Treffpunkt, wichtiger Unterhaltungsfaktor und Tor zur Welt war. Gleichzeitig spiegelte die Entwicklung dieses Kinos auch den Auf- und Niedergang der Geschichte des deutschen Kinos insgesamt wider.

»Gleichzeitig spiegelte die Entwicklung dieses Kinos auch den Auf- und Niedergang der Geschichte des Deutschen Kinos insgesamt wider.«

„Vom Hauptbahnhof … hab’ ich die Filme mit dem Geschäftsrad … geholt. Das war ein stabiles Fahrrad mit einem normalen Hinterrad und einem kleinen Vorderrad. Und über dem Vorderrad war ein Gepäckträger. Und da ist dann so ein Stapel Filme reingekommen, die waren schwer. Außerdem habe ich noch die Werbeplakate für die Schaukästen mitnehmen müssen. Vom Hauptbahnhof und dann die Eckenheimer Landstraße hoch. Es ging ja auch steil bergauf, und für so einen Bub und im Winter, das waren strenge Winter, die Kriegswinter, da lag Schnee und der ist nicht weggeräumt worden und am Oeder Weg, I. G.-Farben- Haus vorbei … das hab’ ich geschafft, ich weiß nicht, wie, … mit dem Fahrrad!“ (Zitat Zeitzeuge Johannes Hess).

Joachim Hoßbach

Joachim Hoßbach wurde 1959 in Mainz geboren. Nach dem Abitur studierte er Kunst und Germanistik, wechselte aber in die Versicherungsbranche und arbeitet seit 27 Jahren bei einer gesetzlichen Krankenkasse. Er ist außerdem Theaterpädagoge, Clown und Heilpraktiker für Psychotherapie.

Seine künstlerische Neigung hat er nie aufgegeben und die Ergebnisse seines unterschiedlichen Schaffens in Ausstellungen, Installationen, Theaterstücken und Performances der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Für ihn sind die unterschiedlichen Formen künstlerischen Ausdruckes wie Malerei, Musik, Tanz und Theater nie getrennt voneinander zu betrachten.

Seit 2014 arbeitet er zusammen mit seiner Frau mit heranwachsenden belarussischen Schülerinnen und Schülern an deutschsprachigen Theaterprojekten in Belarus und Deutschland, welche in Minsk, beim Bonner Jugendtheaterfestival „Spotlights“ und beim deutschsprachigen Jugendtheaterfestival im Anitschkow Palast in St. Petersburg aufgeführt wurden.

 

Quelle: Bürger, die Geschichte schreiben (Band III - November 2018)